Volle Kompression!

Eng & stylish: Die Kompressionshose Leg Balance Tight von Asics - Bild: (c) Asics
Eng & stylish: Die Kompressionshose Leg Balance Tight von Asics

Ob Shirt, Tights oder Socken: Kompressionskleidung ist für viele Läufer inzwischen ein absolutes Muss. Andere wiederum winken gelangweilt ab und gestehen den angeblich durchblutungsfördernden Teilen höchstens einen Placeboeffekt zu. Was ist dran an der Sache mit der Kompressionskleidung? Ein persönlicher Klärungsversuch…

Heute war sie endlich in der Post: Die Asics Leg Balance Tight aus der Frühjahrskollektion 2015, die ich mir erfolgreich vor zwei Wochen so lange selbst vor dem Rechner als das ultimative Must-Have eingeredet habe, bis ich sie spät nachts noch in einem Online-Shop bestellt habe.

Leuchtend komprimiert: Die Leg Balance Tight von Asics

Leuchtend komprimiert: Die Leg Balance Tight von Asics

In einer Art Hochgefühl und beseelt vom Stolz über meine unglaubliche Entschlossenheit und Durchsetzungspower schwankte ich damals kurz nach der Bestellung ins Bett. Nur weil ich so ein unglaublicher Macher bin, der ohne lange nachzudenken und mir-nichts-dir-nichts eine ultrageile Laufhose für knapp 80 Euro bestellt, würde ich schon bald staunende Blicke auf meinem Beinkleid und die mannigfaltigen Vorteile, die solch eine Kompressionshose verspricht, genießen können. (Dass der Online-Shop ein echter Reinfall war, die Freude über die neue Hose deswegen erst einmal komplett dahin war und ich im Endeffekt doch wieder bei Amazon bestellen musste, soll aber ein andermal erzählt werden).

Wo sind die Ballettschläppchen, Kollege?!

Aber warum, frage ich mich, habe ich mich ausgerechnet so auf dieses Stück Kompressionskleidung gefreut? Noch vor ein paar Jahren hatte ich nur milde geschmunzelt, wenn ich Männer in knallengen Laufhosen an mir vorbeitraben sah und ihnen in Gedanken hinterhergerufen, ob sie nicht ihre Ballettschläppchen vergessen hatten. Nicht, dass ich Schlabber-Jogginghosen auch nur im geringsten besser fand! Aber Männer in Tights? Am besten noch knallenge Shirts über dem eher so mittel-straffen Oberkörper dazu? Also, bitte…!

Heute jedoch ist alles anders! Ich kann nicht sagen, wann mein Einstellungswechsel zu diesem Thema einst stattgefunden hat. Vielleicht wird man mit fortschreitendem Alter einfach empfänglicher für Marketing-Tricks. Oder man wird einsichtiger. Wie auch immer: Heute finde ich zumindest Tights und sogar Lauf-Kompressionssocken spitze! Aber warum?

Sitzt gut, tut gut!

Zunächst gefällt mir der festen Sitz der Kompressionsbekleidung und das hervorragende Gefühl, das nichts schlabbert, scheuert oder schwingt. Da der Stoff wie eine zweite Haut anliegt, ist alles fest versorgt und bleibt damit kontrolliert an Ort und Stelle. Und auch der Look ist meiner Ansicht nach klasse – warum sollte man seine schicken Sportlerbeine nicht auch mal zeigen? Schließlich investiert man viel Zeit und Mühe dafür.

Der weitaus bedeutendere Vorteil aber ist, glaubt man den übereinstimmenden Angaben der Hersteller der Kompressionskleidung, die mit dem Tragen einhergehende Leistungssteigerung und gleichzeitige Förderung der Regeneration.

Was liegt an? Na, die Wind Defense Thermal Compression Tight von 2XU

Was liegt an? Na, die Wind Defense Thermal Compression Tight von 2XU

Powerstoff Sauerstoff

Aber was haben knallenge Laufbuchsen oder -tops und Kompressionsstulpen oder -socken mit mehr Leistung zu tun? Es geht, wie so oft beim Sport, um den leidigen Powerstoff namens Sauerstoff (Sorry, der musste sein!), denn er versorgt die Muskeln mit der erforderlichen Energie. Je geringer der Sauerstoffgehalt im Blut, desto mehr Milchsäure wird in den Muskeln produziert. Das Ergebnis: Brennen in den Muskeln und Ermüdungserscheinungen. Kurz: Man wird langsamer, der Körper schickt die Signale zum Stehenbleiben und Aufhören raus. Auch das Herz muss bei sportlicher Betätigung deutlich schneller schlagen, um das Blut durch die Lungen zu pumpen, dort mit Sauerstoff anzureichern und ab zu den Muskeln zu schicken. In den Muskeln angekommen, wird der Sauerstoff an diese abgegeben, bevor sich das Blut – nun sauerstoffarm und die Milchsäure im Gepäck  – durch die Venen wieder auf die Rückreise zum Herzen macht. Zwei Dinge sollten demnach beim Laufen so gut funktionieren, damit nicht allzu schnell die Erschöpfung einsetzt: Die Aufnahme von Sauerstoff und der Abtransport des sauerstoffarmen, milchsäurehaltigen Bluts zurück zum Herzen.

Bei Letzterem kommt die Kompressionskleidung ins Spiel! Denn: die Venen werden durch die ultra-engen Klamotten an den entscheidenden, vom Herzen am weitesten entfernten Stellen so unter Druck gesetzt, dass das sauerstoffarme Blut schneller durch die nun engeren Bahnen zurück zum Herzen fließen kann. Theoretisch bedeutet das: Sauerstoffreiches Blut kommt schneller bei den Muskeln an, sauerstoffarmes Blut samt Milchsäure wird schneller abtransportiert und damit das Übersäuern der Muskeln verhindert. Der Effekt: Längere Laufzeit, schnellere Erholung.

Zwei Lauftights im Test

Soweit die Theorie. Doch wie sieht’s in der Praxis mit der Wirkung von Kompressionskleidung aus? Ich habe die eingangs erwähnte Leg Balance Tight von Asics und die Wind Defense Thermal Compression Tight von 2XU einfach mal in der Praxis getestet.

Lieblingsteil: Die Leg BalanceTight vo Asics in Grün - Bild: (c) Asics

Lieblingsteil: Die Leg Balance Tight von Asics in Grün

Die Leg Balance Tight von Asics war auch nach dem Auspacken immer noch rattenscharf. Gespannt war ich daher auf das erste Tragegefühl, nachdem ich vom Look nun ja wirklich mehr als überzeugt bin. Was soll ich sagen: Die Tight lässt sich völlig problemlos dank der Reißverschlüsse an den Beinenden anziehen und liegt in Windeseile wie eine zweite Haut an den Beinen. Ein herrliches Gefühl! Der Stoff ist ultra-angenehm, die Weite am Bund (in meinem Fall XL) wunderbar und die Länge genau richtig. Die Tight stützt einerseits im Hüft- und unteren Rückenbereich und sorgt damit für eine Haltungsverbesserung, andererseits ist sie flexibel und geschmeidig vor allem im Oberschenkel- und Kniebereich.

Cooles Grün!

Viel wichtiger aber: Beim Einsatz während des Laufs fühlt sich die Kompressionshose von Asics ebenso toll an, macht alle Bewegungen mit und sorgt für eine Spitzentemperatur. Nicht zu warm, nicht zu kalt – einfach gut! Dabei saugt sich die Hose nicht mit Schweiß voll, sondern bleibt stets schön trocken und angenehm auf der Haut. Die grünen Einsätze, die ich so cool finde, sorgen zusammen mit anderen reflektierenden Einsätzen für höchste Sichtbarkeit. Für 79,95 Euro (UVP) ist die lange Variante der Tight, für 74,95 Euro (UVP) die knielange Leg Balance Tight zu haben.

Knalleng und irre gut: Wind Defense Thermal Compression Tight von 2XU - Bild (c) 2XU

Knalleng und irre gut: Wind Defense Thermal Compression Tight von 2XU

Frodos Siegermarke

Die zweite Laufhose im Test ist eine Kompressionstight der australischen Trendmarke 2XU, die erst kürzlich durch den Sieg von Jan Frodeno beim Ironman auf Hawaii wieder voll in den Fokus der Sportfans rund um den Globus geriet. Die Wind Defense Thermal Compression Tight ist zwar nicht die Hose, die „Frodo“ bei seinem Ironman-Triumph trug (er trug vielmehr einen Einteiler, den 2XU nun zum Premiumpreis auch offiziell verkauft), ein tolles Teil ist aber auch diese Kompressionstight.

Hier muss ich schon ein bisschen mehr Mühe aufwenden, um die Tight anzuziehen, denn die 2XU (übrigens „Two Times You“ ausgesprochene) Buchse ist wirklich knalleng. Hat man es aber erst einmal raus, zieht sich auch diese Tight schnell an. Dazu rafft man die Hose wie eine Socke zusammen, zieht sie über den Fuß und dann langsam über die Knie nach oben. Einmal angezogen, lässt die Wind Defense Thermal Compression Tight wirklich keinen Millimeter Platz mehr zwischen Haut und Hose. Zum Glück verhindern die Flatlock-Nähte jegliche unnötige Reibung auf der Haut. Ja, ich muss zugeben: Auch hier stellt sich umgehend ein herrlicher Tragekomfort ein und man möchte umgehend losrennen und läuferische Wunder vollbringen.

Großer Vorteil der 2XU: Gerade in der kalten Jahreszeit bietet sie durch ihre in den Front-Panels integrierte Membran ausgezeichneten Schutz vor Wind und damit Kälte. Im Inneren sorgt das leicht aufgeraute PWX Thermal 70D Material für angenehme Wärme. Die Kompression soll neben der oben erwähnten Effekte zusätzlich noch für weniger Frösteln durch optimierte Blutzirkulation und schnellere Erwärmung der Muskeln sorgen. Alles Effekte, die ich im Test zumindest nachempfinden kann. Mag sein, dass das tolle Tragegefühl und der tolle Sitz der Hose für die subjektive Wahrnehmung in dieser Hinsicht sorgen. Ich jedenfalls fühle mich auf der Strecke wie Superman und Batman zugleich und will die 2XU-Kompressionstight nach dem Laufen gar nicht wieder ausziehen.

Die Wind Defense Thermal Compression Tight von 2XU, die natürlich ordentlich reflektierende Elemente mitbringt und somit auch im Dunkeln gut zu erkennen ist, kostet 139,90 Euro (UVP).

Zusammengefasst lässt sich sagen: Zumindest aus meiner Sicht sind Kompressionstights für alle diejenigen Läufer wärmstens zu empfehlen, die sich nicht scheuen, auch mal Bein zu zeigen und sich auf der Piste wie ein Superheld oder eine Superheldin fühlen wollen. Und egal, ob der Effekt der Leistungssteigerung nun medizinisch nachweisbar ist, oder nicht: Ich finde die Kompressions-Chose einfach genial!

Ah, übrigens: Stay tuned for more tests! Neben Asics und 2XU gibt es ja noch Hersteller wie Skins, Xbionic und noch eher unbekannte Marken wie Rehband. Hoffentlich bald mehr darüber an dieser Stelle!

Fotos: Hersteller, running-elements.de

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